Wirtschaft

EZB-Chef Mario Draghi hat mit seiner Rede im Märchenschloss von Sintra Staatslenker der Eurozone daran erinnert, dass die Zeit des freien Geldes, die Zeit der Liquiditätsflutung irgendwann zu einem Ende kommen muss. Die Rede ist voll von Fakten, die eine überaus robuste Konjunktur in Europa zeigen. Der Frage, warum er nicht schon viel früher die Wende in der Geldpolitik eingeleitet habe, beantwortet er bereits im Vorfeld mit dem Hinweis, dass trotz des Wachstums die Gefahr einer Deflation permanent latent vorhanden war. Ohne seine Liquiditätsflutung, so seine Überzeugung, hätte die Konjunktur jederzeit wieder in eine Rezession zurückfallen können.
Die Gefahr sei nun gebannt, was aber nicht bedeute, dass man nun sofort die geldpolitischen Zügel straffen könne. Vielmehr hat er lediglich gesagt, dass es keine weiteren Lockerungen mehr geben werde und dass der nächste Schritt vermutlich das Straffen der Geldpolitik sein werde … wenn auch erst in sehr ferner Zukunft.
Mario Draghi wird bis 2019 EZB-Chef bleiben. Für seine Nachfolge bringen sich langsam Interessenten in Stellung, unter anderem Bundesbankchef Jens Weidmann.

Im Jahr 2018 könnte das Kaufprogramm für Anleihen von aktuell noch monatlich 60 Mrd. Euro sukzessive und langsam auslaufen. Das könnte sogar Draghi umsetzen. Damit tritt er noch nicht auf die Bremse, sondern löst den Fuß lediglich ein wenig vom Gaspedal.

Erst 2019 und somit also zum Ende seiner Amtszeit wird dann die Diskussion über den Zeitpunkt einer ersten Zinsanhebung kommen. Aus deutscher Sicht viel zu spät, denn schon heute sind die Konjunkturindikatoren auf Allzeithochs, doch ich glaube kaum, dass Draghi sich zeitlich unter Druck setzen lassen wird. Es wird dann die herausfordernde Aufgabe seines Nachfolgers, eine dann anziehenden Inflation im Zaum zu halten.

Die Wende der Geldpolitik vor Augen wird die Absicherung gegen Inflation, also Goldbarren, weniger dringend. Der Goldpreis fällt auch dementsprechend.

Der Ölpreis führt ein Eigenleben (+4,5%): Saudi Arabien wird nachgesagt, einen Plan zur Stabilisierung des Ölpreises zu haben. Das müssen sie auch, denn sie wollen ja im nächsten Jahr mit Aramco das weltweit größte Unternehmen, den staatlichen Ölkonzern Saudi Arabiens, an die Börse bringen. Das geht nur, wenn der Ölpreis nun nicht ins Bodenlose fällt. Wir dürfen weiterhin gespannt sein, was sich die Saudis alles ausdenken werden, um den Ölpreis zu stützen.

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