US-Notenbank

Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, hat am Mittwoch zumindest einen kleinen Dämpfer ausgeteilt. In ihrer Rede vor dem US-Senat bekräftigte sie die Absicht der Notenbank, den Leitzins der USA im Dezember erstmals seit neun Jahren wieder anzuheben, sofern es die Rahmenbedingungen zulassen.
Sollte die Arbeitslosigkeit der USA auf dem niedrigen Niveau verharren und vielleicht sogar das Lohnniveau endlich ein wenig anziehen, dann spricht das für die Zinsanhebung im Dezember. Fallen die Arbeitsmarktdaten jedoch enttäuschend aus, so wird die Zinsanhebung erneut in Frage gestellt werden.
An der Börse hat man sich inzwischen darauf eingestellt. Wurden bislang positive wirtschaftliche Daten begrüßt, weil sie den Konjunkturaufschwung widerspiegelten, so könnten positive Konjunkturdaten nun negativ aufgefasst werden, weil sie die Zinsanhebung unterstützen.
Der Aufschwung in den USA ist bereits sechs Jahre alt und zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Zudem hat die Fed inzwischen explizit auch globale Risiken mit in ihre Entscheidungsgrundlage einbezogen, und global sieht es deutlich schlechter aus als in den USA. Denn in China gab es unlängst enttäuschende Daten aus der Industrieproduktion, in Brasilien bricht die Wirtschaft derzeit zusammen, das Land versinkt in einem Korruptionsskandal. Europa kann mit 1,6% Wachstum nicht wirklich als globale Konjunkturlokomotive bezeichnet werden.
Immerhin: Der Verfall der Rohstoffpreise, der auf die Inflationsdaten gedrückt hat, schein sich zu verlangsamen oder in einigen Bereichen bereits zum Stillstand gekommen zu sein. Das wird die Inflationsraten automatisch erhöhen, da die Vergleichsbasis des Vorjahres von nun an nicht mehr so hoch ist. Aus dieser Sicht könnte die Fed also durchaus Spielraum für eine Zinsanhebung bekommen.

Doch ich halte das Problem der anhaltend niedrigen Löhne für extrem gefährlich. Immer mehr Bereiche des Arbeitslebens werden automatisiert und für die Masse der Menschen bleiben immer stupidere Tätigkeiten übrig, die mit niedrigen Stundenlöhnen bezahlt werden können. Gut verdienen tun diejenigen, die neue Automatisierungen entwickeln, mit denen Unternehmen Geld sparen können. Es ist eine Entwicklung, die wir bereits seit der Industriellen Revolution mehrfach durchlebt haben. Sie lässt sich nicht aufhalten und führt ultimativ auch zu besseren Lebensumständen. Doch in der Umbruchsphase gibt es Verwerfungen und soziale Spannungen. Auf eine solche Phase laufen wir zu.

Also: Wir dürfen gespannt sein, ob die Fed im Dezember tatsächlich eine Zinsanhebung durchführen wird. Der Druck, dies zu tun, ist groß. Der Druck, es zu unterlassen, ebenfalls.

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